Amateurfussball, Vereinsleben und Breitensport

    Jugendfußball fördern: Nachwuchsarbeit im Verein 2026

    Jugendfußball fördern: Nachwuchsarbeit im Verein – Zahlen, Strategien & Fördergelder

    Jugendfußball fördern ist die wichtigste Aufgabe jedes Amateurvereins – und gleichzeitig die schwierigste.

    Der DFB zählt in der Saison 2024/2025 erstmals über 8 Millionen Mitglieder. Gleichzeitig denkt laut einer Studie der TU Chemnitz ein Drittel aller 18- und 19-Jährigen ernsthaft über den Vereinsaustritt nach. Mädchenteams haben sich laut einer BFV-Studie aus dem Jahr 2024 fast halbiert – obwohl die Mitgliederzahlen bei Mädchen um 7,5 Prozent gestiegen sind. Der Jugendfußball wächst also und bröckelt gleichzeitig. Wer Nachwuchsarbeit im Verein ernstnimmt, braucht konkrete Zahlen, klare Strategien und Wissen über Fördermöglichkeiten. Genau das liefert dieser Artikel.

    Der deutsche Fußball ist so groß wie nie. In der Saison 2024/2025 überschreitet der DFB erstmals die Marke von 8 Millionen Mitgliedern – ein Wachstum von 3,86 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: In der Saison 2023/2024 waren es noch über 7,7 Millionen, was bereits einem Zuwachs von 4,7 Prozent entsprach. Rund 24.000 Klubs und etwa 139.000 Mannschaften im Spielbetrieb machen Fußball zum mit Abstand größten Vereinssport Deutschlands.

    Besonders bemerkenswert ist, wer dieses Wachstum trägt. Die stärkste Wachstumsgruppe sind Mädchen bis 16 Jahre: In der Saison 2023/2024 legten sie um 7,5 Prozent zu, in 2024/2025 sogar um 9,0 Prozent. Jungen unter 15 Jahren wuchsen um 1,2 Prozent, Jungen zwischen 15 und 18 Jahren um 2,8 Prozent. Erwachsene Männer im Spielbetrieb hingegen gingen leicht zurück – minus 0,5 Prozent. Der Fußball wird jünger und weiblicher, während der klassische Erwachsenen-Männerbereich stagniert.

    Die Erstregistrierungen unterstreichen diesen Trend. In der Saison 2023/2024 wurden 310.000 neue Spielerinnen und Spieler registriert. In 2024/2025 stieg diese Zahl auf 352.000 – ein deutlicher Sprung. Das zeigt: Das Interesse am Vereinsfußball ist vorhanden. Die Herausforderung liegt nicht nur darin, neue Spielerinnen und Spieler zu gewinnen, sondern sie auch langfristig zu halten.

    Zum Verständnis der Nachwuchsarbeit hilft ein Blick auf die Altersklassen. Der DFB und seine 21 Landesverbände organisieren den Jugendfußball von der Bambini-Klasse (ca. 5–6 Jahre) bis zur A-Jugend (17–18 Jahre). Dazwischen liegen F-, E-, D-, C- und B-Jugend. Jede dieser Stufen hat eigene Anforderungen an Training, Wettkampfformat und Betreuung. Wer Nachwuchsarbeit strukturiert angeht, denkt diese Übergänge von Anfang an mit – denn genau an diesen Übergängen verlieren viele Vereine ihre Spielerinnen und Spieler.

    Insgesamt waren in der Saison 2023/2024 rund 2,27 Millionen aktive Spielerinnen und Spieler registriert, gegenüber 2,25 Millionen im Vorjahr. Die Zahlen klingen gut. Aber hinter diesen Gesamtzahlen verbergen sich strukturelle Probleme, die kein Verein ignorieren sollte.

    Wachstumsraten nach Altersgruppe und Geschlecht – Saison 2023/2024

    0 % +6 % +4 % +2 % −2 % +7,5 % Mädchen bis 16 J. +2,8 % Jungen 15–18 J. +1,2 % Jungen unter 15 J. −0,5 % Erw. Männer Spielbetrieb
    Quelle: DFB Mitgliederzahlen 2023/2024. Skalierung: 1 % = 20 px.

    Drop-out im Jugendfußball: Warum Jugendliche den Verein verlassen

    Das Wort „Drop-out" klingt abstrakt. Hinter jeder Zahl steckt ein Jugendlicher, der seine Schuhe in den Schrank stellt und nicht wiederkommt. Laut einer Studie der TU Chemnitz, die der DFB in Auftrag gegeben hat, denkt ein Drittel aller befragten 18- und 19-Jährigen ernsthaft über den Vereinsaustritt nach. Das ist keine Randerscheinung – das ist ein strukturelles Problem.

    Die kritische Phase liegt zwischen D- und A-Jugend, also grob zwischen 13 und 18 Jahren. In diesem Alter konkurriert der Fußball mit Schule, ersten Jobs, sozialen Medien und dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung. Wer in dieser Phase nicht das Richtige tut, verliert seine Spielerinnen und Spieler dauerhaft.

    Eine DFB-Metastudie, durchgeführt von der Universität Bern und der TU Chemnitz, identifiziert drei Hauptursachen-Cluster für den Drop-out:

    • Personenbezogen: Spaßverlust am Fußball, andere Interessen, mangelndes Fähigkeitsselbstkonzept.
    • Zwischenmenschlich: Schlechte Beziehung zum Trainer, sozialer Druck, fehlende Unterstützung durch das soziale Umfeld.
    • Strukturell: Zeitmangel durch Schulstress, mangelnde Flexibilität der Trainingszeiten, schlechte Infrastruktur.

    Eine Vergleichsstudie aus dem Jahr 2008 mit 1.029 Teilnehmenden zeigt den Unterschied zwischen aktiven Spielern und Dropouts besonders deutlich. Aktive Spieler weisen ein signifikant höheres sportliches Fähigkeitsselbstkonzept auf, eine stärkere Selbstwirksamkeitserwartung, eine bessere Wahrnehmung der Trainer-Fürsorglichkeit und eine höhere Gruppenkohäsion. Diese Faktoren sind messbar – und damit auch gezielt beeinflussbar.

    Psychologisch lässt sich das mit der Selbstbestimmungstheorie erklären. Jugendliche haben drei Grundbedürfnisse: Autonomie, Zugehörigkeit und Kompetenz. Wer aufhört, fühlt diese Bedürfnisse im Verein messbar weniger befriedigt. Die Metaanalyse (KLARpsy) beziffert den Unterschied mit einer Effektstärke von Hedges g = 0,42 – klein, aber statistisch signifikant und praktisch relevant.

    Mädchen sind besonders gefährdet. Ihr Drop-out-Risiko ist laut DFB-Forschung über alle Altersklassen hinweg erhöht – nicht nur in der kritischen Teenagerphase. Das hängt mit strukturellen Faktoren zusammen: weniger Mädchenteams, weniger weibliche Trainerinnen, weniger Vorbilder. Wer Mädchenfußball fördern will, muss diese Strukturen aktiv aufbauen.

    Bindungsfaktoren: Aktive Spieler vs. Dropouts (DFB-Vergleichsstudie 2008, N=1.029)

    Faktor Aktive Spieler Dropouts
    Sportliches Fähigkeitsselbstkonzept höher niedriger
    Selbstwirksamkeitserwartung höher niedriger
    Wahrnehmung Trainer-Fürsorglichkeit besser schlechter
    Gruppenkohäsion (Mannschaftszusammenhalt) höher niedriger

    Jugendliche binden: Strategien für Trainer und Vereine

    Wer die Drop-out-Forschung kennt, weiß: Der wichtigste Einzelfaktor für die Bindung von Jugendlichen ist der Trainer. Nicht das Trikot, nicht der Platz, nicht die Vereinsgröße. Laut der DFB-Metastudie von Universität Bern und TU Chemnitz sind Fürsorglichkeit und Qualität des Trainers die zentralen externalen Bindungsfaktoren. Das bedeutet: Wer in gute Trainerausbildung investiert, investiert direkt in die Bindungsquote.

    Was macht einen fürsorglichen Trainer aus? Er kennt seine Spielerinnen und Spieler als Menschen, nicht nur als Fußballer. Er gibt konstruktives Feedback, lobt öffentlich und kritisiert unter vier Augen. Er schafft ein Klima, in dem Fehler zum Lernen gehören – nicht zur Beschämung. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Jugendtrainer im Amateurfußball sind ehrenamtlich und ohne pädagogische Ausbildung tätig. Genau deshalb ist die Trainerqualifizierung so wichtig.

    Der zweite große Faktor ist die Gruppenkohäsion – der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Jugendliche bleiben im Verein, weil ihre Freunde dort sind. Teambuilding-Maßnahmen außerhalb des Trainings, gemeinsame Ausflüge, Mannschaftsabende: Das klingt nach Luxus, ist aber eine Investition in die Bindungsrate. Wer seinen Spielerinnen und Spielern das Gefühl gibt, zu einer Gruppe zu gehören, hat schon viel gewonnen.

    Spaß und Selbstwirksamkeit im Training sind besonders in der kritischen Phase zwischen 14 und 18 Jahren entscheidend. Das bedeutet konkret: Übungen, bei denen alle Spielerinnen und Spieler Erfolgserlebnisse haben – nicht nur die Besten. Kleine Spielformen, bei denen jeder am Ball ist. Aufgaben, die fordern, aber nicht überfordern. Die Selbstbestimmungstheorie zeigt: Wer sich kompetent fühlt, bleibt dabei.

    Strukturell helfen flexible Trainingszeiten. Schulstress ist der meistgenannte strukturelle Grund für den Vereinsaustritt. Vereine, die Trainingszeiten an Prüfungsphasen anpassen oder temporäre Auszeiten ohne Mitgliedschaftsverlust ermöglichen, haben nachweislich niedrigere Drop-out-Raten. Das erfordert Flexibilität im Vereinsmanagement – aber es lohnt sich.

    Jugendliche wollen mitentscheiden. Wer Spielerinnen und Spieler in Vereinsentscheidungen einbindet – zum Beispiel bei der Planung von Turnieren oder der Gestaltung des Trainings – stärkt ihr Autonomieerleben. Das ist kein pädagogisches Ideal, sondern ein messbarer Bindungsfaktor. Und schließlich: Elternarbeit. Eltern sind das wichtigste Unterstützungssystem von Jugendlichen. Offene Kommunikation, regelmäßige Elternabende und klare Ansprechpartner im Verein reduzieren Konflikte und stärken die Vereinsbindung der gesamten Familie.

    💡 Tipp für Jugendtrainer

    Führe nach jeder Saison ein kurzes Einzelgespräch mit jedem Spieler – fünf Minuten reichen. Frag, was Spaß gemacht hat und was nicht. Wer sich gehört fühlt, kündigt nicht einfach still die Mitgliedschaft.

    Nachwuchsgewinnung: Schulkooperationen und neue Spieler finden

    Neue Spielerinnen und Spieler zu gewinnen ist die eine Seite der Nachwuchsarbeit. Die Zahlen zeigen: Das Potenzial ist vorhanden. 352.000 Erstregistrierungen in der Saison 2024/2025 belegen, dass Kinder und Jugendliche den Weg in den Verein finden – wenn man ihnen diesen Weg aktiv öffnet.

    Das wirksamste Instrument dafür ist die Schulkooperation. Der DFB-Trainingsservice hält fest: Vereine mit wachsenden Nachwuchsabteilungen verdanken dieses Wachstum häufig aktiven Schulkooperationen. Der Grund ist simpel. Für Kinder gilt Schulpflicht, aber keine Vereinspflicht. Wer in die Schule geht, erreicht alle Kinder – unabhängig von Vereinserfahrung, sozialem Hintergrund oder familiärer Fußballtradition. Besonders in ländlichen Regionen, wo das Interesse am organisierten Vereinsfußball sinkt, sind Schulkooperationen oft das einzige Instrument, das noch funktioniert.

    Wie sieht eine gute Schulkooperation aus? Sie beginnt mit einem Anschreiben an die Schulleitung und einem konkreten Angebot: eine AG, ein Schnuppertraining auf dem Schulhof, ein gemeinsames Turnier. Viele Schulen sind froh über solche Angebote, weil sie ihren Schülerinnen und Schülern Bewegung und Vereinserfahrung ermöglichen. Für den Verein ist es eine direkte Werbefläche ohne Kosten.

    Neben Schulen sind Kindergärten eine oft unterschätzte Zielgruppe. Bambini-Kooperationen mit lokalen Kitas bringen Kinder schon im Alter von fünf Jahren mit dem Verein in Kontakt – und ihre Eltern gleich mit. Offene Schnuppertrainings, Feriencamps und niedrigschwellige Spielformen wie kleinere Mannschaftsgrößen senken die Hemmschwelle für Neueinsteiger erheblich.

    Beim Mädchenfußball zeigt sich ein besonderer Widerspruch. Die Mitgliederzahlen steigen stark: +7,5 Prozent bei Mädchen bis 16 Jahren in der Saison 2023/2024, +9,0 Prozent in 2024/2025. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Mädchenteams laut einer BFV-Studie aus dem Jahr 2024 fast halbiert. Das bedeutet: Mehr Mädchen spielen Fußball, aber in weniger, dafür größeren oder überregionalen Teams. Lokale Strukturen brechen weg. Wer Mädchenfußball fördern will, muss nicht nur Mitglieder gewinnen, sondern auch Teams aufbauen – und das erfordert weibliche Trainerinnen, gezielte Ansprache und finanzielle Ressourcen.

    Ein konkreter Ansatz: Vereine, die ein eigenes Mädchenteam gründen wollen, können sich an die Sportjugend ihres Landesverbands wenden. Viele Landessportbünde bieten spezifische Förderprogramme für die Gründung von Mädchen- und Frauenteams an. Die Nachfrage ist da – die Strukturen müssen folgen.

    ℹ️ Gut zu wissen: Mädchenfußball-Widerspruch

    Steigende Mitgliederzahlen bei Mädchen (+7,5 % in 2023/2024) bedeuten nicht automatisch mehr lokale Teams. Die BFV-Studie 2024 zeigt: Die Anzahl der Mädchenteams hat sich fast halbiert. Mehr Mitglieder in weniger Teams – das ist kein Erfolg, das ist ein Strukturproblem.

    Trainerausbildung im Jugendfußball: Lizenzen, Kosten und Qualifizierung

    Qualifizierte Trainerinnen und Trainer sind der wichtigste Einzelfaktor gegen Drop-out. Das belegt die Forschung eindeutig. Umso erfreulicher ist ein Blick auf die aktuellen Ausbildungszahlen: In der Saison 2023/2024 wurden über 19.000 Trainer-Lizenzen und Lizenzvorstufen abgeschlossen – ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 5.600 Kindertrainer-Zertifikate und über 4.200 DFB-Basis-Coach-Ausbildungen wurden vergeben. Das ist ein starkes Signal.

    Die DFB-Ausbildungspyramide ist klar strukturiert. An der Basis steht die C-Lizenz, die für die meisten Jugendtrainer im Amateurfußball der relevante Einstieg ist. Die Lehrgangsgebühren variieren je nach Landesverband und liegen im Durchschnitt zwischen 300 und 500 Euro. Manche Landesverbände berechnen bis zu 1.200 Euro – verbindliche Auskunft gibt es immer beim zuständigen Landesverband.

    Wer tiefer einsteigen will, absolviert die B-Lizenz und danach die B+-Lizenz mit Schwerpunkt Jugend. Letztere kostet rund 1.900 Euro Lehrgangsgebühr plus etwa 2.500 Euro für Unterkunft und Verpflegung – insgesamt also rund 4.400 Euro. Die A-Lizenz schlägt mit 6.000 Euro Lehrgangsgebühr und weiteren rund 5.000 Euro für Unterkunft und Verpflegung zu Buche. Die Pro-Lizenz, die für hauptamtliche Trainer im Profibereich relevant ist, kostet mindestens 19.000 Euro zuzüglich Reise- und Unterkunftskosten.

    Für den Amateurfußball ist die C-Lizenz der entscheidende Standard. Sie vermittelt Grundlagen der Trainingsplanung, Altersgerechtes Coaching und erste pädagogische Werkzeuge. Wer regelmäßig Jugendmannschaften trainiert, sollte sie haben – nicht nur wegen der Qualität, sondern auch wegen der Förderfähigkeit: Viele Landessportbünde setzen eine gültige Lizenz voraus, bevor sie Übungsleiterzuschüsse auszahlen.

    Die gute Nachricht: Trainerausbildungen sind förderbar. Landessportbünde und Sportjugenden übernehmen in vielen Bundesländern einen Teil der Lehrgangskosten. Die Sportjugend NRW etwa fördert Qualifizierungsmaßnahmen mit bis zu 500 Euro pro Maßnahme über ihre Übungsleiter-Offensive. Wer seinen Verein systematisch aufstellen will, plant Trainerausbildungen als feste Budgetposition – und beantragt Förderung, bevor der Lehrgang beginnt.

    Lehrgangsgebühren in der DFB-Ausbildungspyramide (Richtwerte in Euro)

    20.000 € 15.000 € 10.000 € 5.000 € 400 € C-Lizenz 1.900 € B+-Lizenz Jugend 6.000 € A-Lizenz 19.000 € Pro-Lizenz
    Richtwerte Lehrgangsgebühren (ohne Unterkunft/Verpflegung). Quelle: DFB-Ausbildungsordnung, Landesverbände. Verbindliche Kosten beim jeweiligen Landesverband erfragen.

    Fördergelder für Jugendfußball: Programme, Zuschüsse und Anlaufstellen

    Das Fördersystem für Jugendfußball in Deutschland ist dezentral organisiert – und genau das macht es für viele Vereine undurchsichtig. Bund, Länder, Landessportbünde, Sportjugenden, DFB-Stiftungen und Kommunen bieten jeweils eigene Programme an. Wer systematisch vorgeht, kann erhebliche Mittel einwerben. Wer es nicht tut, lässt Geld liegen.

    Die erste Anlaufstelle ist immer der Landessportbund (LSB) des jeweiligen Bundeslandes und seine angegliederte Sportjugend. Hier laufen die meisten Förderströme zusammen. Ein konkretes Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Die Sportjugend NRW bietet das Programm „1000x1000" an, das Vereinen einmalig 1.000 Euro Projektförderung gewährt. Zusätzlich fördert sie Qualifizierungsmaßnahmen über die Übungsleiter-Offensive mit bis zu 500 Euro pro Maßnahme.

    Wie der Übungsleiterzuschuss konkret funktioniert, zeigt das Hamburger Beispiel. Der Hamburger Sportbund (HSB) zahlt pro Fördereinheit 0,29 Euro. Ein Übungsleiter, der ausschließlich für einen Verein tätig ist, kann bis zu 650 Fördereinheiten beantragen – das ergibt einen Zuschuss von 188,50 Euro. Voraussetzungen: Der Verein muss mindestens zwei Jahre HSB-Mitglied sein, mindestens 50 Mitglieder haben, mindestens 500 Fördereinheiten beantragen und einen Jugendanteil von mindestens 10 Prozent der Mitglieder nachweisen. Außerdem gelten Mindestbeiträge: Kinder bis 13 Jahre zahlen mindestens 12 Euro pro Jahr, Jugendliche bis 17 Jahre mindestens 25 Euro, Erwachsene mindestens 50 Euro.

    Auf Bundesebene sind die DFB-Stiftungen wichtige Anlaufstellen. Die Egidius-Braun-Stiftung und die Sepp-Herberger-Stiftung fördern projektbezogen Integrations- und Sozialarbeit im Fußball. Wer ein konkretes Projekt plant – etwa ein Integrationstraining für Kinder mit Fluchthintergrund oder ein inklusives Fußballangebot – kann dort Anträge stellen.

    Für Inklusion im Sport ist die Aktion Mensch eine wichtige Förderquelle. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung fördert Projekte an der Schnittstelle von Sport und Bildung. Der Bayerische Jugendring unterstützt in Bayern Jugendarbeit, Baumaßnahmen und Bildungsprojekte. Wer in Berlin tätig ist, findet im LSB Berlin eine umfassende Förderbroschüre mit allen relevanten Programmen.

    Ein realistischer Blick auf die Kosten hilft bei der Planung. Pro Jugendspieler entstehen einem Verein schätzungsweise 500 bis 1.500 Euro pro Jahr – für Ausrüstung, Platzmiete und Wettkampfgebühren. Fördergelder können diese Kosten nicht vollständig decken, aber sie können den Unterschied machen zwischen einem Jugendteam, das existiert, und einem, das aufgelöst wird.

    Förderprogramme im Überblick (Auswahl)

    Programm Träger Förderart Betrag / Details
    „1000x1000" Sportjugend NRW Projektförderung einmalig 1.000 €
    Übungsleiter-Offensive Sportjugend NRW Qualifizierung bis 500 € pro Maßnahme
    Übungsleiterzuschuss HSB Hamburg Übungsleiter-Zuschuss 188,50 € pro ÜL (2023)
    Egidius-Braun-Stiftung DFB Integration/Soziales projektbezogen
    Sepp-Herberger-Stiftung DFB Integration/Soziales projektbezogen
    Aktion Mensch überregional Inklusion projektbezogen
    Deutsche Kinder- und Jugendstiftung überregional Bildung/Teilhabe projektbezogen
    Bayerischer Jugendring Bayern Jugendarbeit, Bau, Bildung variabel

    Häufige Fragen zur Nachwuchsarbeit im Verein

    F Wie viele Kinder und Jugendliche spielen in Deutschland Fußball im Verein?

    In der Saison 2023/2024 waren rund 783.000 Jungen unter 15 Jahren, 320.000 Jungen zwischen 15 und 18 Jahren sowie 107.000 Mädchen bis 16 Jahren aktiv registriert. Insgesamt zählte der DFB 2,27 Millionen aktive Spielerinnen und Spieler.

    F Warum hören Jugendliche mit dem Vereinsfußball auf?

    Die DFB-Metastudie nennt drei Ursachen-Cluster: personenbezogen (Spaßverlust, andere Interessen), zwischenmenschlich (schlechte Trainer-Beziehung, sozialer Druck) und strukturell (Schulstress, fehlende Flexibilität). Die kritische Phase liegt zwischen 13 und 18 Jahren.

    F Was kostet eine Trainerlizenz für den Jugendfußball?

    Die C-Lizenz kostet je nach Landesverband zwischen 300 und 500 Euro. Die B+-Lizenz mit Schwerpunkt Jugend schlägt mit rund 1.900 Euro Lehrgangsgebühr plus etwa 2.500 Euro Unterkunft zu Buche. Die A-Lizenz kostet rund 6.000 Euro plus Nebenkosten.

    F Welche Fördergelder kann ein Fußballverein für Jugendarbeit beantragen?

    Erste Anlaufstelle ist der Landessportbund des jeweiligen Bundeslandes. Daneben fördern DFB-Stiftungen (Egidius Braun, Sepp Herberger), Kommunen und Stiftungen wie Aktion Mensch. In NRW gibt es etwa 1.000 Euro Projektförderung über das Programm „1000x1000".

    F Wie gewinnt ein kleiner Verein neue Jugendspielerinnen und -spieler?

    Schulkooperationen sind laut DFB das wirksamste Instrument. Ergänzend helfen Kindergarten-Kooperationen, offene Schnuppertrainings und Feriencamps. Niedrigschwellige Spielformen und eine positive Vereinsatmosphäre senken die Hemmschwelle für Neueinsteiger erheblich.

    F Warum ist der Mädchenfußball strukturell gefährdet, obwohl die Mitgliederzahlen steigen?

    Die Anzahl der Mädchenteams hat sich laut BFV-Studie 2024 fast halbiert – trotz wachsender Mitgliederzahlen. Mehr Mädchen spielen Fußball, aber in weniger lokalen Teams. Ursachen sind fehlende Strukturen, Trainermangel und mangelnde finanzielle Ressourcen vor Ort.

    F Wie hält man Jugendliche langfristig im Verein?

    Entscheidend sind qualifizierte, fürsorgliche Trainerinnen und Trainer sowie ein starker Mannschaftszusammenhalt. Flexible Trainingszeiten, Einbindung der Jugendlichen in Vereinsentscheidungen und offene Elternkommunikation reduzieren das Drop-out-Risiko nachweislich.

    Quellen

    • DFB – Mitgliederzahlen 2023/2024 und 2024/2025 (dfb.de)
    • DFB – Dropout-Studie (Universität Bern / TU Chemnitz)
    • DFB-Trainingsservice – Schulkooperationen (training-service.fussball.de)
    • Bayerischer Fußball-Verband – BFV-Studie 2024 „Die nächste Generation", Band 11 (bfv.de)
    • KLARpsy – Warum hören Jugendliche mit Teamsport auf? (klarpsy.de)
    • Universität Leipzig – Dropout-Analyse, Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge, Heft 1/2023 (spowi.uni-leipzig.de)
    • Universität Mainz – Open Science Repository, Dropout-Studie (openscience.ub.uni-mainz.de)
    • yolawo.de – Übungsleiterzuschuss Hamburger Sportbund (HSB)
    • vereinsplaner.de – Vereinsförderungen Deutschland 2026
    • Landessportbund Berlin – Förderbroschüre (lsb-berlin.de)
    • Focus – DFB und Jugendschwund (focus.de)
    • Der Spiegel – DFB kämpft gegen Jugendschwund (spiegel.de)