Amateurfussball, Vereinsleben und Breitensport

    Ehrenamt im Fußballverein: Aufgaben und Bedeutung 2026

    Ehrenamt im Fußballverein: Aufgaben, Zahlen und gesellschaftliche Bedeutung

    Das Ehrenamt im Fußballverein ist das Fundament des gesamten deutschen Amateursports. Rund 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen engagieren sich unentgeltlich – als Trainer, Schiedsrichter, Vorstandsmitglieder oder Spieltagshelfer. Ohne sie würden 95 % aller deutschen Fußballvereine sofort aufhören zu existieren. Die jährliche Arbeitsleistung dieser Menschen hat einen Marktwert von 2,18 Milliarden Euro. Wer also wissen will, was den Amateurfußball wirklich trägt, muss das Ehrenamt verstehen.

    Was bedeutet Ehrenamt im Fußballverein?

    Ehrenamt im Fußballverein meint die unentgeltliche oder gering vergütete Übernahme von Aufgaben und Ämtern im Vereinsbetrieb. Das reicht vom gewählten Vorstandsvorsitzenden bis zum Helfer, der samstags die Brötchen für die Mannschaft schmiert. Die Aufwandsentschädigung, die viele Ehrenamtliche erhalten, ist steuerrechtlich klar geregelt: Die sogenannte Übungsleiterpauschale beträgt bis zu 3.000 Euro pro Jahr – und bleibt vollständig steuerfrei. Wer also als Jugendtrainer oder Übungsleiter tätig ist, darf bis zu diesem Betrag eine Aufwandsentschädigung kassieren, ohne einen Cent Steuern zu zahlen.

    Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) unterscheidet dabei zwei Formen des Engagements. Auf der einen Seite stehen formelle Ehrenämter: Das sind gewählte Positionen wie Vereinsvorsitzender, Schatzmeister oder Jugendleiter. Diese Personen tragen echte Verantwortung – auch rechtlich. Ein ehrenamtlicher Vorstand haftet für Beschlüsse, die er umsetzt, und trägt die Verantwortung für den ordnungsgemäßen Betrieb des Vereins. Das ist kein Pappenstiel. Wer den Vereinsvorsitz übernimmt, unterschreibt Verträge, kommuniziert mit Behörden und steht im Zweifel persönlich gerade.

    Auf der anderen Seite gibt es das informelle freiwillige Engagement. Darunter fallen all jene, die ohne festes Amt helfen: der Vater, der seinen Sohn zum Auswärtsspiel fährt und gleich noch drei andere Kinder mitnimmt; die Mutter, die beim Vereinsfest die Kasse übernimmt; der Rentner, der jeden Montag den Rasen mäht. Diese Form des Engagements ist zahlenmäßig die größte – und oft die unsichtbarste.

    Beide Formen zusammen bilden das Rückgrat des Vereinslebens. Und das in einem beeindruckenden Ausmaß: Rund 95 % der deutschen Fußballvereine werden vollständig ehrenamtlich geführt. Es gibt keine hauptamtliche Geschäftsführung, keinen bezahlten Sportdirektor, keinen angestellten Platzwart. Alles läuft über freiwillige Schultern. Das macht den deutschen Amateurfußball zu einem der größten zivilgesellschaftlichen Projekte des Landes – und gleichzeitig zu einem der verletzlichsten.

    Wichtig zu verstehen: Ehrenamt bedeutet nicht Verantwortungslosigkeit. Gerade Vorstandsmitglieder stehen in der Pflicht. Sie müssen Mitgliederversammlungen einberufen, Beschlüsse protokollieren, Jahresabschlüsse vorlegen und im Zweifelsfall auch für Fehler geradestehen. Wer das unterschätzt, erlebt oft eine böse Überraschung – und wer es kennt, weiß, wie viel diese Menschen wirklich leisten.

    💡 Gut zu wissen: Übungsleiterpauschale

    Trainer, Übungsleiter und Betreuer in gemeinnützigen Vereinen können bis zu 3.000 Euro pro Jahr steuerfrei als Aufwandsentschädigung erhalten. Das gilt zusätzlich zum normalen Einkommen und muss nicht in der Steuererklärung angegeben werden – solange der Betrag nicht überschritten wird.

    Alle Aufgabenfelder im Überblick: Von der Vorstandsarbeit bis zur Platzpflege

    Ein Fußballverein ist kein einfaches Gebilde. Er ist ein kleines Unternehmen – mit Finanzen, Personal, Infrastruktur, Öffentlichkeitsarbeit und Sportbetrieb. Und das alles läuft in den meisten Vereinen über ehrenamtliche Schultern. Wer die Aufgabenfelder kennt, versteht schnell, warum Ehrenamtliche so unverzichtbar sind.

    Vorstand und Verwaltung

    Der Vereinsvorsitzende ist das Gesicht des Vereins nach außen. Er vertritt den Verein rechtlich, setzt Beschlüsse der Mitgliederversammlung um, führt Korrespondenz mit Verbänden und Behörden und delegiert Aufgaben an andere Ehrenamtliche. Der Schatzmeister verantwortet alle Einnahmen und Ausgaben, stellt Spendenquittungen aus und kümmert sich um Gehalts- und Pauschalabrechnungen. Der Schriftführer protokolliert Sitzungen und verwaltet Vereinsdokumente – klingt unspektakulär, ist aber rechtlich relevant. Der Pressewart betreut Website und Social-Media-Kanäle, schreibt Spielberichte und stärkt so den Bekanntheitsgrad des Vereins. Der Sportwart koordiniert Termine über das gesamte Spieljahr und prüft regelmäßig Sportgeräte und Ausrüstung auf Tauglichkeit.

    Jugendarbeit

    Der Jugendleiter ist das Bindeglied zwischen Vorstand und Nachwuchs. Er organisiert Aktivitäten abseits des Spielbetriebs, hält Ausschau nach neuen Talenten, kommuniziert mit Eltern und Schulen und koordiniert Jugendturniere sowie Feriencamps. Diese Rolle ist besonders zeitintensiv – und besonders wichtig, denn hier entscheidet sich, ob ein Verein langfristig Mitglieder gewinnt oder verliert.

    Sportbetrieb

    Trainer und Übungsleiter führen Trainingseinheiten durch, entwickeln Spielstrategien und betreuen die Mannschaft bei Spielen. Gerade im Kinder- und Jugendbereich geht es dabei nicht nur um Fußball, sondern um Persönlichkeitsentwicklung, Teamgeist und soziale Kompetenz. Schiedsrichter sind ein besonders kritisches Segment: In den meisten Landesverbänden kann man ab 12 Jahren (in Niedersachsen ab 14) die Ausbildung beginnen, die je nach Verband 20 bis 50 Unterrichtsstunden umfasst. Aktuell gibt es rund 75.000 aktive ehrenamtliche Schiedsrichter in Deutschland – aber die Gewinnung neuer Unparteiischer zählt laut Sportentwicklungsbericht zu den größten Einzelproblemen im Vereinsfußball. Betreuer und Helfer übernehmen Fahrdienste zu Auswärtsspielen, unterstützen bei Wettkämpfen und erledigen Anschreibearbeiten.

    Infrastruktur und Veranstaltungen

    Der Platz- oder Hallenwart pflegt und erhält die Sportstätten – Rasen mähen, Linien ziehen, Umkleidekabinen sauber halten. Ohne diese Arbeit wäre kein einziges Heimspiel möglich. Veranstaltungshelfer organisieren Vereinsfeste, Turniere und Renovierungsarbeiten und betreiben den Kiosk am Spieltag. Diese Einnahmen sind für viele kleine Vereine eine wichtige Finanzierungsquelle.

    Aufgabenfelder und Rollen im Ehrenamt eines Fußballvereins
    Bereich Rolle Kernaufgaben
    Vorstand & Verwaltung Vorsitzender Außenvertretung, Beschlussumsetzung, rechtliche Verantwortung
    Vorstand & Verwaltung Schatzmeister Einnahmen/Ausgaben, Spendenquittungen, Gehaltszahlungen
    Vorstand & Verwaltung Pressewart Medienarbeit, Website, Social Media
    Jugendarbeit Jugendleiter Nachwuchsgewinnung, Elternkommunikation, Turnierorganisation
    Sportbetrieb Trainer / Übungsleiter Training, Spielstrategie, Persönlichkeitsentwicklung
    Sportbetrieb Schiedsrichter Spielleitung, Regelkunde, regelmäßige Schulungen
    Sportbetrieb Betreuer / Helfer Fahrdienste, Wettkampfunterstützung, Anschreibearbeiten
    Infrastruktur Platz- / Hallenwart Pflege und Instandhaltung der Sportstätten
    Infrastruktur Veranstaltungshelfer Vereinsfeste, Turniere, Kioskbetrieb

    1,6 Millionen Ehrenamtliche: Die Zahlen hinter dem deutschen Amateurfußball

    Zahlen machen greifbar, was sonst abstrakt bleibt. Laut dem HRI-Report Amateurfußball 2024, den das Handelsblatt Research Institute im Auftrag des DFB erstellt hat, engagieren sich in Deutschland zwischen 1,6 und 1,7 Millionen Menschen ehrenamtlich und freiwillig im Fußball. Das ist mehr als die Einwohnerzahl von München.

    Diese Gesamtzahl setzt sich aus drei Gruppen zusammen. Die mit Abstand größte Gruppe bilden die Betreuer und Helfer mit rund 1,25 Millionen Personen. Das sind die Menschen, die ohne festes Amt anpacken – beim Spieltag, beim Vereinsfest, beim Fahrdienst. Sie sind das unsichtbare Rückgrat des Alltags. Die zweite Gruppe umfasst 180.000 Trainer und Übungsleiter, die wöchentlich auf dem Platz stehen und Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainieren. Die dritte Gruppe bilden 160.000 formelle Funktionsträger – Vorstände, Jugendleiter, Schatzmeister – die den Verein organisatorisch am Laufen halten.

    Dazu kommen rund 75.000 aktive ehrenamtliche Schiedsrichter, die jedes Wochenende Spiele leiten. Ohne sie würde der Spielbetrieb sofort zusammenbrechen. Und der ist gewaltig: Ehrenamtliche ermöglichen jährlich 1,5 Millionen Fußballspiele in Deutschland. Sie betreuen dabei 1,2 Millionen Kinder und Jugendliche im Trainings- und Wettkampfbetrieb.

    Zum Vergleich: Im gesamten deutschen Sport engagieren sich laut DOSB rund 8,8 Millionen Menschen ehrenamtlich. Sport ist damit der größte Träger bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland – noch vor Kirche, Sozialarbeit und Kultur. Der Fußball allein stellt davon fast ein Fünftel. Die Engagementquote in der Bevölkerung ab 14 Jahren lag 2014 noch bei 14,9 Prozent – bis 2019 sank sie auf 13,5 Prozent. Das klingt nach wenig, bedeutet aber einen Rückgang von knapp 10 Prozent relativ – und dieser Trend setzt sich fort.

    Zusammensetzung der Ehrenamtlichen im deutschen Fußball (HRI-Report 2024)

    Personen 1.250.000 Betreuer & Helfer 180.000 Trainer & Übungsleiter 160.000 Vorstände, Jugendleiter u.a. Betreuer & Helfer Trainer & Übungsleiter Vorstände, Jugendleiter u.a.
    Quelle: Handelsblatt Research Institute, HRI-Report Amateurfußball 2024 / DFB

    Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung: 13,9 Milliarden Euro Sozialrendite

    Wer den Wert des Ehrenamts verstehen will, muss in Euro denken. Nicht weil Gemeinschaft käuflich wäre – sondern weil Zahlen zeigen, was auf dem Spiel steht. Der jährliche Marktwert der ehrenamtlichen Arbeit im deutschen Fußball beträgt 2,18 Milliarden Euro. Das ist der Betrag, den Vereine zahlen müssten, wenn sie alle Ehrenamtlichen durch bezahlte Kräfte ersetzen würden. Zum Vergleich: Ein hauptamtlicher Trainer kostet einen Verein im Schnitt 30.000 bis 50.000 Euro jährlich an Brutto-Personalkosten. Ein ehrenamtlicher Trainer erhält höchstens 3.000 Euro steuerfreie Pauschale. Der Unterschied ist enorm.

    Doch der eigentliche Wert liegt noch viel tiefer. Die Studie von Breuer, Feiler und Rossi (2019) im Auftrag des DFB hat die gesamte sozioökonomische Wertschöpfung des Amateurfußballs auf 13,9 Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Das setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Die direkten wirtschaftlichen Effekte – also Ausgaben für Ausrüstung, Verpflegung, Sportanlagen und Reisen – belaufen sich auf über 5,7 Milliarden Euro. Hinzu kommen soziale Wertschöpfungseffekte durch Bildung und Beschäftigung in Höhe von 386 Millionen Euro pro Jahr.

    Besonders bemerkenswert ist die präventive Wirkung des Amateurfußballs auf die Kriminalität. Laut HRI-Report spart der Amateurfußball durch seine integrative und präventive Funktion jährlich 33,85 Millionen Euro an Kosten ein, die sonst durch Kriminalität entstehen würden. Das ist keine Spekulation, sondern eine wissenschaftlich berechnete Größe.

    Die gesellschaftlichen Funktionen des Ehrenamts im Fußball lassen sich nicht vollständig in Euro ausdrücken. Vereine sind Orte der sozialen Integration – hier treffen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Altersgruppen und sozialer Schichten aufeinander. Sie sind Orte der Demokratieförderung, weil Mitgliederversammlungen, Wahlen und Abstimmungen gelebte Demokratie sind. Sie sind Orte der Gesundheitsförderung, weil regelmäßige Bewegung nachweislich das Erkrankungsrisiko senkt. Und sie sind Orte der Wertevermittlung: Fairness, Teamgeist, Respekt – das lernen Kinder auf dem Fußballplatz, nicht im Klassenzimmer.

    Ökonomische Wertschöpfung des Amateurfußballs (DFB / HRI 2024)

    Mrd. € 13,9 Mrd. € Gesamte Sozialrendite > 5,7 Mrd. € Direkte Wirtschaftseffekte 2,18 Mrd. € Marktwert Ehrenamtsarbeit Gesamte Sozialrendite Direkte Wirtschaftseffekte Marktwert Ehrenamtsarbeit
    Quelle: DFB / Handelsblatt Research Institute, Breuer/Feiler/Rossi 2019 und 2024

    Ehrenamtskrise im Amateurfußball: Ursachen und Ausmaß des Mangels

    Die Zahlen klingen beeindruckend – aber sie verdecken eine ernste Krise. Rund 60 Prozent der deutschen Fußballvereine, das sind etwa 51.000 Clubs, sehen den Mangel an Ehrenamtlichen als ihr größtes Problem. Das hat die Deutsche Sporthochschule Köln in einer repräsentativen Umfrage herausgefunden. Noch alarmierender: 17,6 Prozent der Vereine – das entspricht rund 15.000 Clubs – sehen ihre Existenz durch diesen Mangel akut bedroht. Jeder sechste Verein steht also potenziell vor dem Aus, weil er keine Ehrenamtlichen mehr findet.

    Die Engagementquote im Sport ist messbar gesunken. 2014 engagierten sich noch 14,9 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren ehrenamtlich im Sport. 2019 waren es nur noch 13,5 Prozent – ein relativer Rückgang von knapp 10 Prozent. Und dieser Trend hat sich durch die Corona-Pandemie weiter verschärft: Viele Ehrenamtliche, die während der Lockdowns aufgehört haben, sind nicht zurückgekehrt.

    Was steckt hinter diesem Rückgang? Die Ursachen sind vielfältig. Zeitmangel ist der meistgenannte Grund. Die Arbeitswelt hat sich verändert: längere Pendelzeiten, mehr Schichtarbeit, höhere Anforderungen im Job. Wer abends nach Hause kommt, hat oft keine Energie mehr für Vereinsarbeit. Dazu kommt ein verändertes Engagementverhalten: Jüngere Menschen bevorzugen kurzfristige, projektbezogene Tätigkeiten statt langfristiger Ämter mit fester Verantwortung.

    Ein massives strukturelles Problem ist die Bürokratiebelastung. 38 Prozent der Vereine sehen darin ein großes oder sehr großes Problem. Ehrenamtliche Vereinsvertreter wenden im Schnitt 6,5 Stunden pro Woche allein für bürokratische Aufgaben auf – Datenschutz, Steuerrecht, Versicherungspflichten, Förderanträge. Das ist Zeit, die für den eigentlichen Vereinszweck fehlt.

    Auch die Kooperationen mit Schulen und Kindergärten brechen ein. Nur noch knapp 30 Prozent der Vereine kooperieren mit Schulen – 2020 waren es noch rund 45 Prozent, ein Rückgang von fast 15 Prozentpunkten. Bei Kitas sind es nur noch etwa 15 Prozent. Das ist fatal, denn über diese Kooperationen gewinnen Vereine nicht nur neue Mitglieder, sondern auch potenzielle Ehrenamtliche von morgen.

    Besonders kritisch ist die Situation bei den Schiedsrichtern. Laut Sportentwicklungsbericht zählt die Gewinnung und Bindung von Unparteiischen zu den größten Einzelproblemen im Vereinsfußball. Viele Schiedsrichter hören auf, weil sie Beschimpfungen und Beleidigungen ausgesetzt sind. Wer unter solchen Bedingungen freiwillig arbeitet, braucht starke Nerven – und das Gefühl, dass der Verein hinter ihm steht.

    Engagementquote im Sport (Bevölkerung ab 14 Jahren, DOSB)

    Prozent (%) 14,9 % 2014 13,5 % 2019 2014 2019
    Quelle: DOSB – Ehrenamt und Engagement im Sport

    Ehrenamtliche gewinnen und binden: Strategien für Fußballvereine

    Die Krise ist real – aber sie ist nicht unausweichlich. Vereine, die strategisch vorgehen, haben nachweislich weniger Probleme bei der Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen. Das zeigt die DFB-Studie von Breuer, Feiler und Rossi. Der DFB hat daraus ein konkretes Konzept entwickelt: die sogenannte „Viererkette der Mitarbeiterentwicklung". Sie beschreibt vier Phasen, die jeder Verein systematisch durchlaufen sollte.

    Phase 1: Gewinnen

    Wer Ehrenamtliche gewinnen will, muss zuerst wissen, wen er braucht. Eine Bedarfsanalyse zeigt, welche Aufgaben unbesetzt sind. Daraus entstehen konkrete Tätigkeitsprofile – keine vagen Aufrufe à la „Wir suchen Helfer", sondern präzise Beschreibungen: „Wir suchen jemanden, der jeden zweiten Samstag den Kiosk betreibt – Zeitaufwand: 3 Stunden." Die persönliche Ansprache ist dabei entscheidend. Studien zeigen: Wer direkt gefragt wird, sagt viel häufiger Ja als jemand, der einen allgemeinen Aufruf liest. Vereine, die Frauen gezielt in Vorstandsteams einbinden, sind übrigens nachweislich erfolgreicher bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher.

    Phase 2: Qualifizieren

    Wer eine neue Aufgabe übernimmt, braucht Unterstützung. Ein Mentorensystem zur Einarbeitung senkt die Hemmschwelle erheblich. Neue Schiedsrichter sollten die Ausbildungskosten (je nach Verband 20 bis 50 Unterrichtsstunden) vom Verein erstattet bekommen. Neue Trainer profitieren von DFB-Qualifizierungsangeboten. Wer merkt, dass der Verein in seine Entwicklung investiert, bleibt länger.

    Phase 3: Binden

    Bindung entsteht durch Wertschätzung und emotionale Zugehörigkeit. Das klingt banal, wird aber in vielen Vereinen vernachlässigt. Konkret bedeutet das: regelmäßiges Feedback, öffentliche Anerkennung bei Vereinsfesten, Einladungen zu Gemeinschaftsveranstaltungen. Für Schiedsrichter empfehlen Experten zusätzlich finanzielle Anreize: Fahrkostenerstattung, Beitragsbefreiung, Übernahme von Ausrüstungskosten. Vereine mit einem strategischen Entwicklungskonzept haben laut DFB-Studie nachweislich weniger Probleme bei der Bindung. Wer Erwartungen klar kommuniziert und Aufgaben flexibel gestaltet, hält Ehrenamtliche länger im Boot.

    Phase 4: Verabschieden

    Auch das Ende eines Ehrenamts verdient Aufmerksamkeit. Eine würdige Abschiedskultur – ein Dankeschön bei der Mitgliederversammlung, ein kleines Abschiedsgeschenk, ein persönliches Gespräch – sorgt dafür, dass ehemalige Ehrenamtliche dem Verein verbunden bleiben. Viele kehren später zurück oder empfehlen den Verein weiter.

    Neben dieser Viererkette gibt es konkrete DFB-Programme. Die „Aktion Ehrenamt" unterstützt Vereine bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher. Das Programm „Fußballhelden" richtet sich speziell an 18- bis 30-Jährige und will junge Menschen für das Vereinsleben begeistern. Beide Programme zeigen: Das Problem ist erkannt – jetzt kommt es auf die Umsetzung an.

    💜 Tipp für Vereinsvorstände

    Sprecht potenzielle Ehrenamtliche direkt und persönlich an – nicht per Aushang oder Rundmail. Nennt eine konkrete Aufgabe, einen realistischen Zeitaufwand und eine Ansprechperson. Diese drei Elemente verdoppeln laut DFB-Forschung die Zusagequote. Wer außerdem Frauen gezielt für Vorstandsrollen anspricht, stärkt nachweislich die gesamte Ehrenamtsstruktur des Vereins.

    Häufige Fragen zum Ehrenamt im Fußballverein

    1 Welche Aufgaben gibt es im Ehrenamt eines Fußballvereins?

    Ehrenamtliche übernehmen Aufgaben in Vorstand und Verwaltung, im Sportbetrieb als Trainer oder Schiedsrichter, in der Jugendarbeit als Jugendleiter sowie in Infrastruktur und Veranstaltungsorganisation als Platzwart oder Turnierhelfer.

    2 Wie viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich im deutschen Fußball?

    Laut HRI-Report 2024 engagieren sich 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen – davon 180.000 Trainer, 160.000 Funktionsträger und rund 1,25 Millionen Betreuer und Helfer sowie 75.000 Schiedsrichter.

    3 Warum finden Fußballvereine immer weniger Ehrenamtliche?

    Hauptgründe sind Zeitmangel, mangelnde Wertschätzung, hohe Bürokratiebelastung (38 % der Vereine, Ø 6,5 Std./Woche), verändertes Engagementverhalten und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie.

    4 Welche gesellschaftliche Bedeutung hat das Ehrenamt im Fußball?

    Der Amateurfußball erzeugt eine Sozialrendite von 13,9 Mrd. € jährlich, fördert soziale Integration, Gesundheit und Demokratie und spart durch Kriminalprävention 33,85 Mio. € pro Jahr ein.

    5 Ab welchem Alter kann man Schiedsrichter werden?

    In den meisten deutschen Landesverbänden ist die Schiedsrichterausbildung ab 12 Jahren möglich, in Niedersachsen ab 14 Jahren. Die Ausbildung umfasst je nach Verband 20 bis 50 Unterrichtsstunden.

    6 Was kostet ein Ehrenamtlicher den Verein im Vergleich zu einer Festanstellung?

    Ein ehrenamtlicher Trainer erhält höchstens 3.000 € steuerfreie Pauschale pro Jahr. Ein hauptamtlicher Trainer kostet den Verein 30.000 bis 50.000 € jährlich an Brutto-Personalkosten – ein Unterschied von Faktor 10 bis 17.

    7 Wie können Vereine Ehrenamtliche gewinnen und halten?

    Bewährt sind persönliche Ansprache, Mentorensysteme, systematische Anerkennungskultur, flexible Aufgabengestaltung und das DFB-Konzept der Viererkette: Gewinnen, Qualifizieren, Binden, Verabschieden.

    Quellen

    • DFB – Ehrenamtliches/freiwilliges Engagement im Sport (PDF)
    • DFB – Ehrenamtliche im Fußball gewinnen und binden (Breuer, Feiler, Rossi 2019, PDF)
    • DFB – Ökonomische Bedeutung des Amateurfußballs (Breuer, Feiler, Rossi 2019, PDF)
    • DFB – Expertenrunde Mehrwert Ehrenamt (PDF)
    • Handelsblatt Research Institute – Die Sozialrendite des Amateurfußballs 2024 (HRI-Report, PDF)
    • verbandsbuero.de – DFB Ehrenamt: 1,7 Mio. Helfer & 13,9 Mrd. Euro Sozialrendite
    • DOSB – Ehrenamt und Engagement (dosb.de)
    • DOSB – Wie steht es um das Ehrenamt im Sport? (dosb.de)
    • owayo.de – Ehrenamt im Sportverein
    • anpfiff.info – Amateurfußball im Stress: Schiri-Mangel, Ehrenamtskrise